Sind Aktien bereits zu teuer ? Die Antwort wird Dich überraschen….

Sind Aktien bereits zu teuer ? Die Antwort wird Dich überraschen….

Dezember 14, 2019 0 Von TurtleTom

Wenn ich mich mit Freunden und Bekannten unterhalte, höre ich oft die Frage, ob es sich jetzt überhaupt noch lohnt in Aktien zu investieren und ob Aktien angesichts der Rekordstände an den Börsen nicht bereits zu teuer seien.

Meine Gegenfrage ist dann meistens, ob Immobilien zu teuer seien oder Anleihen zu teuer sind und was es überhaupt heißt, wenn etwas als „teuer“ bezeichnet wird. Teuer im Vergleich zu was ?

Aktien stehen als Investitionsobjekt immer in Konkurrenz zu anderen Anlageformen, wobei die wichtigste Anlageform neben Aktien die Anleihen sind. Der Anleihemarkt ist der größte Markt der Welt mit einem Volumen von ca. 150 Billionen US$, gefolgt vom Aktienmarkt mit rund 80 Billionen US$. Zum Vergleich, das gesamte geförderte Gold kommt gerade einmal auf gut 7 Billionen US$ und beim Silber sind es gerade einmal mickrige 0,025 Billionen US$.

Damit ist der Anleihemarkt der größte Konkurrent zu den Aktienmärkten.
Ergo müssen wir den Preisvergleich auf diese beiden Anlageformen begrenzen. Gold und Silber sind keine echte Alternative zu Aktien, da diese Märkte einfach zu klein sind, um die gewaltigen Geldmengen zu absorbieren. Außerdem zahlen Gold und Silber keine Dividenden, da sie kein Produktivkapital darstellen. Gold und Silber sind echtes Geld, welches keinem Ausfallrisiko unterliegt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Immerhin besser als Bargeld, da Gold und Silber mit der Inflation im Preis steigen und damit die reale Kaufkraft des Geldes erhalten, was beim Bargeld nicht der Fall ist. Insofern konkurrieren Gold und Silber aufgrund ihrer Eigenschaft als „echtes Geld“ eher mit dem Bargeld und den Giroeinlagen und weniger mit Aktien und Anleihen.

Wegen der stark gefallenen Zinsen sind die Kurse der Anleihen sehr hoch gestiegen, so daß hier kaum noch Kursgewinne möglich sind, es sei denn, die Zinsen fallen noch weiter in den negativen Bereich, was zwar nicht ausgeschlossen, aber eben auch nicht sehr wahrscheinlich ist. Am wahrscheinlichsten ist eine sehr lange Stagnation der Zinsen im Bereich der Null Linie.

Dieser geldpolitisch erzwungene Zinssenkungstrend hat Folgen für die Bewertung der Aktienmärkte. Er treibt die Kurse in die Höhe. Beispielsweise indem die erwarteten Unternehmensgewinne mit einem nunmehr niedrigen Zins abdiskontiert werden, nach dem Discounted Cash Flow (DCF) Modell, aber auch nach dem Dividend Discount Modell (DDM), die ich beide in einem früheren Beitrag erläutert habe, als es darum ging, wie man den „fairen Wert“ einer Aktie berechnet. Das erhöht die Barwerte und damit auch die gegenwärtigen Kurse der Aktien. Zudem senken die niedrigen Zinsen die Fremdkapitalkosten und erhöhen die Unternehmensgewinne und Börsennotierungen. Und nicht zuletzt senken künstlich verringerte Zinsen auch die Kapitalkosten der Unternehmen ab und ermuntern zu neuen Investitionen.

Die Erkenntnis, daß die Zinsen auf nicht absehbare Zeit um die Null oder im Bereich bis maximal 2% liegen werden ist noch nicht bei den Investoren so recht angekommen. Gerade erst im letztes Jahr machte wieder das Zinserhöhungsgespenst von sich reden, als die langfristigen Zinsen in den USA auf knapp über 3% geklettert sind. Das war allerdings nur von kurzer Dauer und lässt sich durch die fehlende Inflation auch keineswegs rechtfertigen. Die Preisinflation findet nicht mehr statt wie früher, was verschiedene Ursachen hat, die hier zu erklären den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Wir sehen statt dessen eine Vermögenspreis Inflation, die gerade bei den Anleihen bereits voll durchgeschlagen hat, bei den Aktien aber noch lange nicht. Das liegt daran, daß es einen sehr engen mathematischen Zusammenhang zwischen dem Zinsniveau und den Kursen der Anleihen gibt. Eine Anleihe steigt immer sofort im Kurs, wenn der Zins für die Anleihe sinkt, und umgekehrt fällt der Kurs, wenn der Zins steigt.

Wenn wir also von einem Zinsniveau von langfristig 2% bei amerikanischen Anleihen ausgehen, das ist der größte Markt innerhalb der Gruppe der Anleihemärkte, dann kommen wir auf ein Kurs- Gewinnverhältnis von 50

Anleihekurs / Gewinn ( 100 / 2 = 50 ).

Der amerikanische Aktienmarkt, der größte und liquideste Aktienmarkt der Welt, kommt im S&P 500 auf ein Kurs- Gewinnverhältnis von gerade einmal 18 zur Zeit, was im historischen Durchschnitt nur leicht über dem Mittel liegt.

Der Aktienmarkt könnte sich also locker knapp noch einmal verdreifachen und wäre damit gerade auf dem Preisniveau der am höchsten rentierten Anleihen im US-Markt angekommen. Für den S&P 500 würde das ein Niveau von rund 9.000 Punkten gegenüber gut 3.000 Punkte heute bedeuten.

Meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage, ob Aktien jetzt schon zu teuer sind lautet eindeutig : Nein !

Die Aktienmärkte insgesamt, und besonders meine handverlesenen Unternehmen, haben noch einen langen Weg mit steigenden Kursen vor sich. Und das aus zwei gewichtigen Gründen :

Erstens : Im Vergleich zum größten Konkurrenten Anleihen sind Aktien derzeit immer noch spottbillig !

Zweitens : Erfolgreiche Unternehmen, in die ich in meinen drei wikifolios investiere, werden auch in Zukunft steigende Gewinne erwirtschaften, da sie sich im Wettbewerb als die Besten herauskristallisiert haben, als globale Champions, die darüberhinaus oft durch einen Schutzwall gegenüber Konkurrenten bestens aufgestellt sind. Mit den steigenden Gewinnen steigen auch deren Kurse weiter, denn Gewinne sind einer der Haupt Treibsätze für die Aktienkurse, neben den Zinsen und Anleihen.

Daher komme ich zu dem Schluß, daß es nicht zu spät für Investments in Aktien ist, im Gegenteil.

Viel Erfolg beim Investieren 🙂